Autorin, Verlegerin, Träumerin

Intellektualität als Resultat der Langeweile?

Betrachten wir das Wort Intellektualität etymologisch, kommt es von intellegere (lat. - verstehen).

Meine Frage heute ist -ist Intellektualität ein Resultat der Langeweile?

Langeweile, innere Leere, Fadesse, Monotonie.. 

Im modernen Dialog könnte "der Intellektuelle" als "Produkt der Langeweile" gesehen werden. Das Befassen mit gesellschaftlichen Problemen, mit sozialen Diskursen kann nur aus unsinnvoll genutzter Zeit hervorkommen, insofern es ein Mensch tut dessen Profession eine andere ist - ein Mensch, der seinen gesamten Tag mit Arbeit verbringt hat keine Zeit sich über gesellschaftliche, künstlerische und anders ambitionierte Probleme Gedanken zu machen. Selbst wenn die Kritik des Intellekts nicht zu dem Fachgebiet der betreffenden Person gehört, wird er ihn irgendwann kritisieren. Er ist ein Intellektueller. Wo aber nimmt er die Berechtigung zur Kritik her? Und warum meint er kritisieren zu können, wenn er oftmals keinen Lösungsvorschlag parat hat?

Ist es anmassend zu kritisieren, wenn die Kritik nur aus Langeweile entsteht? Oder ist die Ennui die einzige Form aus der Kritik tatsächlich entstehen kann? Und wer gilt heutzutage wirklich noch als Intellektueller? Macht eine akademische Ausbildung einen Menschen intellektuell? Betrachtet man die Bedeutung des Wortes, eindeutig nein - aber die Frage ist doch vielmehr, kann man auch ohne akademischen Werdegang intellektuell sein? Und als Intellektueller anerkannt werden?

Weiterhin stellt sich die Frage, würden die Menschen mehr nachdenken, wenn sie mehr Zeit hierfür nützen könnten? Insofern sie nicht abgelenkt sind durch gesellschaftliche Indoktrinationen, würden sie ihre Zeit verwenden um zu denken oder würden sie verzweifelt nach Ablenkungen suchen um nicht denken zu müssen? Tatsache ist, dass viele Menschen sich Ablenkungen suchen, Tatsache ist aber auch, dass Fadesse neue Arten von Denkmustern entstehen lassen kann. Werden die Menschen in unserer Welt deshalb krampfhaft von der Ennui ferngehalten? Werden sie es, sollte man sich aber auch fragen, weshalb wir ständig darauf trainiert werden schneller zu denken. Ein Beispiel hierfür ist, dass ein Mensch in einer mittelgroßen Stadt in Deutschland durchschnittlich mit 1000 Werbebotschaften pro Tag konfrontiert ist. Wir werden ständig mit Reizen überflutet, unser Gehirn hat also keine andere Möglichkeit als sich dem anzupassen. Nicht bei allen endet dies in Abstumpfung.

Zurück zur Ausgangsfrage - ist Intellektualität ein Resultat der Langeweile?  Hätte der Intellektuelle Zeit intellektuell zu sein, wenn er keine Zeit hätte, sich mit intellektuellen Themen zu befassen? Oder ist Intellektualität Resultat eines großen Geistes?

 

Ich freue mich auf Eure persönlichen Nachrichten und die Diskussionen die daraus entstehen.

18.6.10 02:24

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bisher 2 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Kafkaesketodesart (21.6.10 07:50)
Hallo
Ich denke das Kritik auch aus anderen gründen(Leidensdruck,unmenschliche behandlung etc...) und nicht nur aus Langeweile resultiert.
Und das, das Intellektuele auch eine Form der Zerstreung ist (Film, Literatur, Kunst...) um sich gegen den Zustand des Stillstands(Also eines vororganischen zustandes,sprich:Tod(ein kleiner vermark an Sigmund Freud´s 1920 erschiene theorie des Todestrieb:Wiederholung, stillstand=Tod)zu wehren bzw. sich von diesem Abzulenken.

Mit Freundlichen Grüßen


JanineHierreth (22.6.10 03:20)
Ist die Art der Kritik die Sie ansprechen nicht eine andere Art der Kritik als diejenige, die streng genommen definiert ist im Begriff "Intellektualität"?

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